Wie geht Wissenschaftskommunikation?

Nun aber mal ans Eingemachte. Wie funktioniert Wissenschaftskommunikation (am besten)? Ein paar Erfahrungswerte…

Was ist das “Warum”?

Unser erster Impuls ist, unsere Forschungsergebnisse und -erkenntnisse sichtbar machen zu wollen. Die Ergebnisse sollten wir jedoch ganz nach hinten stellen.

Stattdessen beginnen wir mit der Frage: Warum ist das Thema so wichtig?

Beschäftigt sich die Forschung beispielsweise mit der Alzheimer-Erkrankung, so ergibt es Sinn, im Anbetracht des demographischen Wandels die volkswirtschaftliche und familiäre Belastung durch Alzheimer zu betonen. Es ist also sinnvoll, hier zu forschen.

Interesse wecken am eigenen Forschungsbereich

Heutzutage stehen Forscher*Innen vor der Schwierigkeit, dass schon sehr viel entdeckt wurde und viele Wissenschaftsbereiche sehr ausdifferenziert sind. Die wissenschaftlichen “Erfolge” sind also sehr klein und selten mit bahnbrechenden Meilensteinen wie der Entdeckung des Penicillins zu vergleichen. Die Herausforderung liegt darin, klar zu machen: “Die Zeiten der großen Entdeckungen sind vorbei, aber auch kleine Entdeckungen bringen uns weiter. Und machen Spaß!”

In jedem Fachbereich könnte es Leute geben, die Lust auf ihr Fach machen, wie Henning Beck und Mai Thi Nguyen-Kim es für Neurowissenschaft respektive Chemie tun.

Kompromiss zwischen attraktivem Text und wissenschaftlicher Korrektheit

Wissenschaftskommunikative Texte, die Information mit Unterhaltung vereinen unterscheiden sich von den Textsorten, die Wissenschaftler*innen in ihrem Berufsalltag normalerweise schreiben.

Ein Blogartikel, Science-Slam-Beitrag oder Tweet kann nie so umfassend informieren wie ein Paper und muss zwangsläufig vereinfacht werden. Allerdings besteht bei zu starker Verkürzung auch die Gefahr, dass Missverständnisse oder Fehlinterpretationen entstehen, dass die Presse die Geschichte einseitig aufnimmt.

Ein Beispiel für so einen Fall: Forschern  an der Uni Tübingen gelang es, Menschen unter Laborbedingungen erfolgreich gegen Malaria zu impfen. Die PR kommuniziert: Durchbruch in der Malariaforschung – Impfstoff gefunden. Dabei ist es eher ein Fortschritt bzw. ein erfolgversprechender erster Schritt. Das heißt es bedeutet nicht, dass in zwei Jahren in Afrika niemand mehr Malaria hat.

Wer WissKomm betreibt, muss sich darüber klar sein: Wenn ich “X” sage, passiert „Z“. Kommunikator*innen müssen damit rechnen, dass Boulevard & Co eine Nachricht verkürzen. Dann entsteht immer auch ein Potential für Missverständnisse oder gar Skandale.

Um beim Beispiel Malaria zu bleiben. Nachdem die wissenschaftliche Erfolgsmeldung raus ging, wurden kritische Einzelstimmen laut. Schließlich seien Probanden gegen Geld mit Malaria infiziert worden. Der Forschung wurde eine Art moderner Imperialismus vorgeworfen. Eine gute Kommunikationsstrategie antizipiert solche Vorwürfe oder auch gerechtfertigte Einwände. Beim konkreten Beispiel wäre ein präventives Dagegenhalten auf ganz verschiedenen Wegen möglich. Etwa ein Hinweis darauf, dass die Ethikkommission das Projekt geprüft und abgenickt hat. Ein Hinweis auf ein vorsichtiges Abwägen. Das Bewusstsein für schwierige Faktoren thematisieren, und und und.

Je transparenter man kommuniziert, desto besser. Als Prävention oder falls bereits Missverständnisse aufgetreten sind, kann man sich schulen oder beraten lassen – Stichwort Risikokommunikation. Ziel ist aber, durch gute und konstante Kommunikation vor und während der Forschung gar nicht erst in Erklärungsnot zu geraten.

Traut euch, klar zu kommunizieren!

In der deutschsprachigen wissenschaftlichen Kommunikation ist eine komplizierte und schwurbelige Ausdrucksweise fest verankert. Etwas schon immer auf eine Art gemacht zu haben, ist aber kein Argument, es auch in Zukunft weiter zu tun, wenn Argumente für eine andere Art sprechen. So mag etwa der Schachtelsatz auf eine lange und stolze Tradition zurückblicken. Wir wissen aber inzwischen, dass Menschen kürzere Sätze besser und schneller verarbeiten können. Warum also langatmige und umständlich Sätze bauen, wenn man dasselbe klarer in drei oder vier Einzelsätzen kommunizieren kann? Einfacher Ausdruck ist kein Makel, sondern eine Kunst. Außerdem sparen wir damit Zeit und Ressourcen.

Wir sollten die Hemmung davor ablegen, uns “blank zu machen”. Stattdessen hilft ein Blick: Was ist mein Medium? Wen spreche ich an? Denn je nach Veröffentlichungsort und je nach Zielpublikum müssen wir anders kommunizieren.

Formate für Wissenschaftskommunikation

Kommunizieren kann man – Internet sei dank – auf ganz verschiedenen Kanälen respektive Aktivitätsräumen, wie wir lieber sagen. Ein paar typische Beispiele:

Linktipp: Formate bei wissenschaftskommunikation.de

Grundlage dieser Produkte ist ein strategisches Kommunikationskonzept, das agil ist, sich selbst beobachtet, evaluiert und nachjustiert und so angelegt ist, dass die Strategie immer wieder angepasst werden kann.

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