Was braucht man für WissKomm?

Die erste Ressource ist Einstellungssache, im doppelten Wortsinn. Wir brauchen ein kulturelles Mindset, das Wissenschaftskommunikation als Grundkompetenz jeder guten Forschung ansieht. Sie muss als integraler Bestandteil guter Forschung gelten, genau so wie Teamarbeit, ein Forschungsdesign zu erstellen, methodische und statistische Kompetenz, ethische Kompetenz und Technikfolgeabschätzung.

Wir streben einen Wandel der Kultur in der Wissenschaft an: In jeder Kompetenz-DNA von  Forscher*innen sollte ein Gen zur Kommunikationskompetenz stecken.
Dass man kommuniziert, sollte zum tagtäglichen Geschäft einer wissenschaftlichen Karriere gehören.

Aktuell lauten die Hauptargumente gegen WissKomm:

  • Ich habe keine Zeit
  • ich habe kein Geld
  • Ich will lieber forschen
  • Ich kann das nicht/Ich weiß nicht wie das geht  

Vorteile wie eine höhere Akzeptanz in der Gesellschaft, bei Geldgeber*innen und in der Politik oder der Investition in die eigene Kompetenz nehmen die Gegner*innen nicht als solche wahr. Ein Problem dabei ist, dass bei Kommunikation keine direkt messbaren Benefits entstehen (z.B. bei Bewerbungen), sondern sich die Ergebnisse eher langfristig einstellen.

Dabei kann eine gute Kommunikation sogar das entscheidende Quäntchen sein: Wenn es beispielsweise drei Projekte zu einem ähnlichen Thema gibt. Alle drei Projekte sind fachlich gut. Nur eines davon stellt sich aber durch gute Kommunikationsarbeit aktiv der wissenschaftlichen Community und der Gesellschaft. Die anderen beiden kommunizieren nicht über das geforderte Mindestmaß hinaus  – welches wird wohl weiter gefördert?

Es gibt also viele Gründe für Wissenschaftskommunikation. Doch abgesehen davon, dass die jeweilige Organisation oder Forschungseinrichtung offen sein sollte für Wissenschaftskommunikation, was braucht man konkret für WissKomm?

Zeit

Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich. Wenn Forscher*innen die Zeit für WissKomm als Teil der Zeit für die Forschung begreifen (so wie die Zeit für Konferenzen und die Zeit fürs Schreiben von Paper und Anträge), dann bekommt man auch nicht das Gefühl, dass man für WissKomm etwas streichen müsse.

Mangelnde Zeit für etwas bedeutet in der Regel, dass man diesem “etwas” nicht genug Priorität einräumt. Wenn man will, kann man Kommunikationsarbeit in den Zeitplan einbauen. So ist beispielsweise der Besuch von Kongressen etabliert, aber oft Zeitverschwendung.

Kommunikation lässt sich in den Alltag einbauen wie Zähneputzen. Durch Delegation (“Bring mal bitte Fotos mit”) und Batching (Stapelverarbeitung) lässt sich ebenfalls zeiteffizient arbeiten. Und natürlich durch Erfahrung und Routine.

Geld

Machen wir uns nichts vor: Ein Budget hilft natürlich. Doch wenn man keins hat, ist das kein Argument, nicht zu kommunizieren! Viele Tools wie Software oder Social Media sind kostenlos erhältlich. Statt eine teure Kamera anzuschaffen, kann man auch Foto- und Videomaterial mit dem Smartphone anfertigen.

Mit einem Budget können Forscher die inhaltliche und technische Umsetzung ihrer Forschung auch beauftragen. Das ist natürlich komfortabler. Die Ergebnisse sind vielleicht schneller verfügbar oder professioneller. Kurz gesagt: Geld für die Wissenschaftskommunikation ist keine Voraussetzung, aber ein erleichternder Faktor.

Kompetenzen:

Manche Menschen haben ein natürliches Talent zum Schreiben, Präsentieren, Gestalten oder Erklären – andere können es sich aneignen.

In Schulungen, Workshops und nicht zuletzt durch eigene Übung kann jede*r seine oder ihre Kompetenzen ausweiten.

Es hilft darüber hinaus, Kommunikation als Handwerk zu begreifen. Viele Handgriffe kann man lernen, zum Beispiel:

  • Wie baue ich eine Geschichte auf?
  • Wie führe ich Protagonisten ein?
  • Wie baue ich Übergänge?
  • Wie entwickle ich eine Story?
  • Wie kann ich Anfang oder Schluss gestalten?
  • Wie wechsel ich Szenen und Informationen ab?
  • Wie mache ich meinen Text schöner?

Weitere Kompetenzen, die zur erfolgreichen Wissenschaftskommunikation beitragen, betreffen den Umgang mit Menschen: Recherche, Vertrauensaufbau oder Mitarbeiter*innenführung. Auch sie sind ebenso erlernbar wie das Kommunikations-Handwerk. Umso schneller, je mehr man übt!

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