Eigentlich ist es nur eine Anekdote. Eigentlich. Denn diese Anekdote erzählt viel über das Selbstverständnis, über die Grundhaltung von Forschung zu dem Thema Wissenschaftskommunikation.
Anruf Anfang November bei uns in der Agentur: “Sie machen doch Filme. Können Sie uns einen Forschungsfilm produzieren? Wir: “Klar. Gerne. Wofür brauchen Sie denn den Film?” Eine übliche Recherchefrage, um herauszufinden, ob der Film bei einer Konferenz oder am Tag-der-offenen-Tür gezeigt werden soll. Ob die Forschung dokumentiert oder ob ein breites Publikum angesprochen werden soll. Reportage oder Animation? Was man halt so fragt. Die Antwort: “Wofür? Wir haben Geld für einen Film beantragt und das Geld muss bis Ende des Jahres ausgegeben sein. Schaffen Sie das?”
Diese Anekdote ist selbstverständlich ein Kondensat aus jahrelanger Kommunikation mit Forscher*innen und Forschungseinrichtungen. Ich möchte gar nicht auf den Punkt eingehen, dass zwei Monate recht sportlich sind, um einen Film zu produzieren. Meistens vergehen ja Wochen und Monate, bis ein eingereichtes Drehbuch ein Feedback bekommt. Oder der Klassiker, dass mitten in der Produktion den Forscher*innen noch eine “Idee” kommt, die man doch “einbauen” könne. So ähnlich, als wenn man in Phase III einer klinischen Studie auf die Idee käme, die Probandengruppen neu zu definieren. Klare Absprachen und ein gutes Projektmanagement erleichterten so eine Produktion. Nein, die Unerfahrenheit bei Forschungseinrichtungen in Sachen Aufwand und Dauer von Medienproduktion ist kein grundsätzliches Problem.
Das grundsätzliche Problem ist die Haltung. Die Haltung, dass man sich um Wissenschaftskommunikation erst dann gezwungenermaßen Gedanken macht, wenn die ersten Ergebnisse eintrudeln oder das Projektende naht. Was wäre wünschenswert? Erst kürzlich sprach Peter Parker – ein Wissenschaftskommunikator mit Sitz in Austin, Texas und London in seinem Research Comms Podcast mit Andy Miah, Chair in Science Communication & Future Media at University Salford Manchester. Und da ist mir ein Satz hängen geblieben:
“Good Science starts with Communication.”
Gute Wissenschaft beginnt mit Kommunikation. Was heißt das genau. Erst einmal, dass Kommunikation über die eigene Forschung kein Add on ist. Dass Kommunikation keine lästige Pflicht ist, die man bei EU-Forschungsanträgen irgendwie erfüllen muss. Und neuerdings fordert das nun auch noch das Bundesministerium für Forschung und Bildung in seinem Grundsatzpapier zu Wissenschaftskommunikation. Nein, das heißt, dass Kommunikation Teil der Forschung ist. Dass Kommunikation die Forschung auf vielen Ebenen bereichert und besser macht.
Es geht nicht darum Wissenschaftler*innen dazu zu drängen, mehr zu kommunizieren. Forderungen wie: Die Forschung wird von Steuergeldern finanziert, also müssen Forscher*innen der Gesellschaft dieses finanzielle Engagement in Form von Wissenschaftskommunikation zurückgeben, erzeugen Widerwillen, aber keine Leidenschaft für Kommunikation. Uns von grasshopperkreativ geht es nicht um ein „force to communicate“, sondern um ein „inspire to communicate“. Uns geht es darum, in co-kreativen Prozessen zusammen mit den Wissenschaftler*innen zu Kommunikation zu inspirieren und diese umzusetzen.
In den vergangenen 20 Jahren hat sich viel getan im Bereich Wissenschaftskommunikation. Unzählige Formate wie Science Slam, Science Pub oder Ring a Scientist wurden kreiert. Analoge Formate wie digitale Formate. Viel Geld floß und fließt noch immer in die Wissenschaftskommunikation. Wissenschaftler*innen können heute Kurse belegen, wie man Twitter nutzt, einen Blog startet oder einen Podcast aufsetzt. Das ist alles gut und wichtig. Was aber fehlt, ist ein fundamentales Verstehen, wie wichtig Kommunikation ist. Wer einmal verstanden hat, wie essentiell Kommunikation ist, kann diese Erkenntnis nicht mehr „Ent“-Verstehen. Wer aber in einem Kurs die 10 wichtigsten Regeln für einen Blog gelernt hat, kann diese schnell wieder „Ver“-Lernen.
Für die Wissenschaftskommunikation ist es an der Zeit, sich weiter zu entwickeln: Weg vom alleinigen Denken in Formaten, Produkten und Projekten hin zu „inspire to communicate“. Ein Verständnis zu erzeugen, welche fantastische Möglichkeiten gute Kommunikation eröffnen. In welchen Formaten, Produkten und Projekten sich diese Inspiration manifestiert, ist nachrangig. Ähnlich wie bei der Forschung. Da geht es auch nicht nur darum, sich Wissen anzueignen und Methoden zu lernen, wie man Daten sauber auswertet. In der Wissenschaft geht es doch auch um Inspiration, um Kreativität, um die Lust, etwas Neues auszuprobieren, zu experimentieren.
Unser Wunsch von grasshopperkreativ ist nicht, als Dienstleister für Forschungseinrichtungen Medienprodukte zu erstellen. Unser Wunsch ist es, als Kommunikationspartner zusammen mit Forschungseinrichtungen in co-kreativen Prozessen Kommunikationsstrategien zu entwickeln – und diese nachhaltig umzusetzen.
Wir grasshopper sind auch „inspired to communicate” und wollen euch daher in regelmäßigen Abständen aus der „World of Wisskomm“ erzählen. Einsichten und Erkenntnisse. Neues, das wir entdeckt haben. Bewährtes, das wir wichtig finden. Analysen, Meinungen, Tipps, Tools und Best Practice. Alles kann dabei sein.
Wir freuen uns auf den co-kreativen Austausch mit euch.
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